Unternehmer-Geist
Persien liegt in Döbling – in einer Fabrik, die nichts mit unserem Verständnis von Industrie zu tun hat: ein exotisches Juwel, ein Handelsplatz aus 1000 und 1 Nacht.
Johann Zacherl hatte schon immer etwas gegen Ungeziefer. Und zwar ein hochwirksames Mittel, das er auf seinen Reisen nach Tiflis entdeckte. Sein Geschäftssinn sagte ihm sofort, was zu tun sei. Er ließ die Gelbgießerei Gelbgießerei sein, sattelte auf das „Zacherlin“ um, wie er es taufte und ließ in Wien eine Fabrik zur Herstellung des Pulvers bauen. Sein Geschäftssinn sagte ihm auch, auf das Interesse am Orient zu setzen, das Mitte des 19. Jahrhunderts in der Luft lag. So vermarktete er das einfache Mittel als „Persisches Pulver“ und verlieh dem Backsteingebäude ein orientalisches Aussehen. Hugo von Wiedenfeld hatte die Idee dazu, die Brüder Mayreder arbeiteten den Entwurf aus. Und Johann Zacherl gab seinen „Senf“ dazu. „Das war eine ganz gezielte Marketingmaßnahme, um der Firma eine Corporate Identity zu geben“, erzählt Peter Zacherl, der den Unternehmergeist seines Urgroßvaters immer noch zu schätzen weiß.
„Johann Zacherl hatte schon immer etwas gegen Ungeziefer.“
Jetzt steht die Fabrik wie ein Zeichen aus längst vergessenen Zeiten da. Künstler haben darin ihre Werkstätten errichtet, Freischaffende das Gelände besiedelt. Im Sommer werden Konzerte veranstaltet und Künstler eingeladen „auf den Raum zu antworten und eine Beziehung zu ihm aufzubauen“, wie Peter Zacherl sagt. Das Kunstprojekt ist von Freiwilligkeit getragen, die Konzerte sind ein Geschenk. Sommer für Sommer trifft sich hier ein bunt gemischtes Volk und nimmt diesen besonderen Platz für sich ein. Und wer ein Zacherlin bräuchte, muss nur nach Tiflis fahren. Dort hat sich der Name auch nach 150 Jahren nicht verdrängen lassen.
Weitere Kulturadressen rund um Hohe Warte 3:
RESIDENZ ZÖGERNITZ
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Döblinger Hautstraße 76 -78
1190
Wien
Öffnungszeiten je nach Events