Die Zukunft vor Augen
Blühende Rosen und eine lebendige Designszene: In Jakomini gehen Wohnen und Arbeiten Hand in Hand. War es vor wenigen Jahren noch sehr ruhig im Viertel, so entdeckt die Stadt nun sein Potential.
Die Gruabn bedarf keiner Anführungszeichen: Sie ist stadtbekannt. Legendär sind die Fußballspiele mit tausenden Zuschauern auf den Holztribünen und Bierduschen für die Schiedsrichter am Platz. Die Rasenfläche im Bezirk Jakomini grenzt an das hohe Haus Hafnerriegel 53. Von den obersten Stockwerken blickt man aus Vogelperspektive über die Stadt. In nächster Nähe erstreckt sich die Grazer Messe über ein riesiges Areal. Vergnügen stand im Viertel seit Jahrzehnten im Vordergrund. Ob Fußball, Hochschaubahn und Zuckerwatte oder die Liebe zu schönem Design – um Lebensfreude auszudrücken gab und gibt es genügend Möglichkeiten im Grätzel.
Die Stadt hat ihm nun einen roten Teppich ausgerollt: ein roter Straßenbelag zieht sich als 750 Meter langes Laufband die Jakoministraße entlang und biegt in die Grazbach- und Klosterwiesgasse. Die Architektinnen Elisabeth Koller und Sandra Janser binden mit „Ready, Steady, Go!“ eine visuelle Schleife um die neu bezogenen Geschäftslokale. Junge Kreative haben hier ihre Büros und Arbeitsräume. Das Projekt „Jakominiviertel“ wächst. Rosensträucher grünen in den gepflegten Vorgärten der Wohnhäuser in der Klosterwiesgasse. Spaziert man vom Hafnerriegel die Gasse entlang Richtung Jakominiplatz, passiert man das Restaurant Ginko. Viel Grün kommt hier auf den Teller. Die Küche wird nicht allein von all jenen geschätzt, die sich ausschließlich vegetarisch ernähern.
So zentral die Menschen im Grätzel wohnen, so ruhig und lebenswert ist die Gegend. Arbeiten und wohnen geht hier Hand in Hand. Wie vielfältig die steirische Designszene ist, zeigt sich im FashionLab. In einer ehemaligen Supermarktfiliale betreiben Modemacherinnen und Modemacher einen gemeinsamen Shop. Die Auswahl reicht von Blusen und Röcken von Lena Hoschek zu Männermützen im Stil der Zwanziger Jahre, die das Label „Milch“ aus alten Anzugsstoffen schneidert. Im rückwärtigen Ladenbereich sitzen meist ein, zwei Designerinnen an den Nähmaschinen. Schräg gegenüber hat ein Kollektiv von Studentinnen und Studenten der Fachhochschule Joanneum ein leerstehendes Lokal in eine Bar verwandelt. Wohlgemerkt: Viel mehr als eine Theke wollten die Studierenden nicht in ihr „BarProjekt“ stellen. Mehr Wert als auf Ausstattung legen sie auf das Programm, neben DJs finden Lesungen und Konzerte statt.
„Um Lebensfreude auszudrücken gab und gibt es genügend Möglichkeiten im Grätzel.“
Dass die Begeisterung überschwappt und auch angrenzende Orte wieder vielfach genützt werden, wünscht sich Anna Frizberg. Die Geschäftsführerin des Kinder- und Jugendtheaters „TaO!“ blickt vom Balkon vor ihrem Büro auf den Ortweinplatz. „Es wäre schön, wenn es am Platz wieder ein Café gebe, und freie Sitzgelegenheiten im Sommer“. Das TaO! zieht viele Kinder und Jugendliche an. Anna Frizberg bemüht sich, Kräfte zu bündeln, um das Potential des Platzes zu nützen. Der Funke vom „Jakominiviertel“ wird auf den Ortweinplatz überspringen, davon ist sie überzeugt.
Die Zukunft stets vor Augen haben auch die Wissenschafterinnen und Wissenschafter der international renommierten Forschungsgesellschaft Joanneum Research. Sie erkunden Visionen für Wirtschaft, Industrie und Verwaltung – egal, ob es um Elektroautos oder die ideale Gestaltung des Arbeitsplatzes geht. In den Instituten der Technischen Universität Graz haben Tausende ihre Rechner, Laborgeräte und Zeichentische stehen. Der umfassende Gebäudekomplex auf den Innfeldgründen zählt zur Neuen Technik. Zur alten Technik in der Rechbauerstraße radeln Uni-Personal und Studierende in wenigen Minuten. Schneller, als Kollegen in einer Pause einen Cappucino im Tribeka trinken.